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Landscape (after Breughel)
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  • Malerei
  • 116.00 x 200.00 cm
  • Oil and spray paint on cotton
  • 2003
  • 2004 - Galerie Silvia Steiner, Biel, Switzerland
  • "Christina Niedergerber in der Galerie Silvia Steiner" - Marguerite Menz, Kunstbulletin 03.2004

    1992 ist sie ausgezogen, um nach einem Studium der Psychologie und mehrjähriger Tätigkeit als Erziehungsberaterin in England Kunstluft zu schnuppern. Dass die Bernerin Christina Niederberger (*1961) einmal als Doktorandin ein Atelier an der renommierten Kunstakademie der Goldsmith’s University beziehen würde, hatte sie sich damals kaum erträumt. Im Mai 2003 war sie mit einer Ausstellung im «Kabinett» in Bern vertreten, nun gibt Silvia Steiner in Biel einen Einblick in das komplexe Werk der Wahllondonerin.

    «Le ciel» nannte Picabia 1949 eines seiner Punktbilder: Fünf helle runde Flecken auf dunklem Grund, angeordnet wie ein kleines Sternbild. «Universe» heisst ein grosses, 2003 entstandenes Werk von Christina Niederberger, eine auf Grau gemalte Komposition aus farbigen Kreisformen. Doch anders als bei Picabia oder in den rasterartigen Punktbildern von Larry Poons oder John Armleder handelt es sich nicht um Kreisflächen, sondern vielmehr um flache plastische Zylinder, die neben- und übereinandergelegt Schatten werfen und dadurch je nach Dichte und Farbigkeit mehr oder weniger Raumtiefe erzeugen. So können mit denselben Formelementen explodierende «Black Holes» entstehen oder in farbige Pixel aufgelöste Landschaften, wobei sich einzelne Puzzleteile bei genauerem Hinsehen selbst wieder als eigenständiges Landschäftchen entpuppen. Auch scheut sich die Künstlerin nicht, abstrakte, geometrische Formen mit naturalistischen zu mischen, bunte Spots mit Orangen oder mit rotbackigen Äpfeln – eine Reminiszenz an Cuno Amiets «Obsternte» im heimatlichen Bern? Sicher ein Vexierspiel mit Kugel, Kreis, Zylinder und dem Zwischenraum. Immer wieder testet sie die Leuchtkraft der Farben. Strahlend weisse, gelb-orange umrandete Spotlampen, die an verschlungenen Kabeln hängen, «Lights on (for Felix)», 2002, reduziert sie in «Atlantis», 2003, zu gelben und orangen Punkten, zu Lichtern einer in der Tiefe eines blauen Meeres versunkenen Stadt. Andere ihrer Bilder, üppige Kristallleuchter mit durchsichtigem, lichtreflektierendem Glasstaub auf Öl «gemalt», brauchen Helligkeit von aussen, um überhaupt erst richtig wahrgenommen zu werden.

    Und da wären noch etwas überraschend ihre Fellbilder, die aufgezogenen Kunstpelz- Teddybären, -Katzen und -Affen. Niedliche Damien Hirsts aus Plüsch fürs Kinderzimmer. Vielleicht trifft ja auch auf Christina Niederberger zu, was Jean Arp über Picabia geschrieben hat. «Er hat die konkreten Inseln entdeckt, auf denen die abstrakten Herren einander fressen. (...) Aber Picabia spielte mehrere Geigen zugleich (...). Ich kenne von ihm Leinwände, die mit Strohhalmen, die mit Konfettis be-deckt waren. Ich kenne von ihm Bilder für Harems, Bilder für Zwerge (...) Seine Herausforderungen und guten Einfälle waren ohne Zahl.»