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Grotte
Detail
  • Raum Installation
  • 3000.00
  • abgedichteter Kellerboden, Steg aus Dachlatten, 2 Pumpen, Scheinwerfer. 300 Petflschenböden.
  • Galerie Hofamatt, Sarnen, 2003
  • Galerie Hofmatt Sarnen: Adriana Stadler

    Schwimmende Petflaschenböden

    Wind und Wasser, Blütenartiges und Bettwäsche sind in Fotos, Videos, Drucken und Installationen zu aussagekräftiger Kunst verarbeitet.

    Jeder Raum der Galerie im alten, aus dem 17.Jahrhundert stammenden Haus hat ein eigenes, charaktervolles Gesicht. Darauf einzugehen, ist für Ausstellende sehr reizvoll. Adriana Stadler zeigt vier von der Technik her völlig unterschiedliche, der jeweiligen Raumsituation angepasste Installationen. Am aufwendigsten und überraschendsten hat sie den Gewölbekeller gestaltet. Sie hat daraus einen Höhlensee voller Blüten gemacht. Von einem Holzsteg aus lässt sich ein zauberhaftes, stilles Schauspiel betrachten. Durchsichtige, zum Teil bläuliche, Kristallgefässen ähnliche „Blumen“ bewegen sich in beständigem Wechsel auf dem Wasser. Sie treffen auf andere, bilden „Inseln“, lösen sich wieder, gelangen zu einer neuen „Blütengemeinschaft“ oder schwimmen einzeln weiter. Es ist, wie wenn wir einen Blick auf die Entstehung einer Welt werfen würden, in der sich alles ganz „natürlich“ immer neu formt. Der Aufwand dafür war aber enorm. Stadler hat auf einer Sammelstelle für Petflaschen rund 2500 farblose und hellblaue herausgesucht und die Böden abgeschnitten. Der Kellerboden wurde mit schwarzem Plastik abgedichtet und Wasser zugeführt. Zwei Pumpen bewirken Strömungen, damit die Flaschenböden in Bewegung geraten. Beim Steg angebrachte Lichtquellen lassen den transparenten Kunststoff glänzen und das Wasser schimmern.
    Zwei grosse, schwarzweisse Fotos im Gang greifen die Flaschenböden wieder auf. Die an gläserne Kostbarkeiten oder auch an Plankton mit Strahlentierchen gemahnenden, rundlichen Formen sind eng neben- und auch übereinandergelegt. Es ist eigenartig zu sehen, welche Ähnlichkeit ein Kunststoffgebilde wegen seiner regelmässigen, unterschiedlichen Ausbuchtungen mit lebenden Meeresorganismen hat. Laut Lexikon sind manche Planktonarten mit Kieselsäureskeletten als regelmässige Vielflächer, zum Beispiel auch als Dodekaeder geformt. Stadler hat für das Panoramazimmer mit Wandmalereien der Sarner Umgebung ein beinahe zwei Meter hohes Dodekaeder geschaffen. Jede Fläche zeigt den auf eloxiertes Aluminium übertragenen Scherenschnitt einer andern Blüte. Gemeinsam ist jedoch allen, dass sie von der Mitte her radial ausstrahlen analog zu einer im Zimmer stehenden, umher blickenden Person.
    Die auf zwei Monitoren laufende Videoarbeit „Breathing Sheets“ im Raum daneben ist ebenfalls um einen zentralen Punkt aufgebaut. Zu sehen sind trocknende, im Wind leise oder heftiger flatternde, weisse Bettlaken. Stadler hat sie durch ein Kaleidoskop an der Kamera aufgenommen, was eine Vervielfachung und Symmetrien erzeugt. Manchmal kommt es zu kristallinen Formen, dann wieder gruppieren sich weiche Gebilde um das schwarze, eckige Loch des Kaleidoskops. Diese Art der gebrochenen Aufnahme lässt die Wäschestücke wie in einem Ur- und Endzustand mit einem ständigen Wechsel von Chaos und Gliederung erscheinen. Im gleichen Raum hängen als Kontrast zu den hellen Tüchern mehrfarbige Druckgrafiken mit floralen, wiederum radialsymmetrisch aufgebauten ornamentalen Mustern.
    Es ist frappierend zu erleben, wie jede Arbeit auf ihre ganz spezifische Art gestaltet ist und trotzdem immer auf die anderen verweist, weil allen dasselbe Prinzip zugrunde liegt: Von einem Kreis, einem Loch oder einer Kugel aus greifen rundum Strahlen in den Raum ein. Sie formen ihn und werden gleichzeitig von unberechenbaren Elementen getrieben und verändert. Das Unberechenbare kann Wind, fliessendes Wasser oder Licht, aber auch die Arbeit mit der Schere oder eine Farbmischung sein.
    Adriana Stadler ist 1957 in Altdorf geboren und lebt heute in Bern. Sie ist in der Innerschweiz mit durchdachten, vielschichtigen Installationen in Aussen- und Innenräumen aufgefallen. Die letzte Arbeit ist im Zusammenhang mit der Rosenkranz-Ausstellung im Museum Bruder Klaus in Sachseln entstanden. Ein den Barockgarten hinter dem Haus umschliessender, mit gelbem Seil gestalteter und von Gestänge gehaltener Kreis samt verwobenen Schlaufen greift die Kranzform auf und weist mit dem Titel „Iris“ gleichzeitig auf weitere, auch für die Ausstellung in der Galerie Hofmatt zentrale Dinge hin.

    Maria Vogel

    Galerie Hofmatt, Rütistrasse 23, Sarnen. Bis 29. Juni. Geöffnet: Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr.