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Bildraum
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  • Installation
  • Rahmen aus Holz, schwarze Kordel gespannt
  • 1997
  • Kunstverein Uri, alte Armeeapotheke, Flüelen
  • Adriana Stadler in der Alten Armeeapotheke

    Weitausgreifende Installationen in alten, leerstehenden Häusern sind das Kennzeichen der Urnerin Adriana Stadler. Sie arbeitet so mit zwei- und dreidimensionalen, geometrischen Formen, dass diese den Blick für die Eigenart der Räume und der Umgebung öffnen. Die Formen, eine Kugel oder ein Rechteck, werden über mehrere Stockwerke hinweg und daher in Segmenten konkretisiert. Sie bilden zwar ein Ganzes, sind aber nie so zu sehen. Die Installationen verweben Grundelemente von Bild und Skulptur mit Konzeptuellem und mit der Dimension Zeit. Die imaginäre, 1996 in das quadratische Volumen des Vinzenz-Müller-Hauses in Altdorf eingefügte, schwebende Kugel wurde zweidimensional umgesetzt und auf diese Weise zur Realität. Die unterschiedlich grossen Segmente waren mit grauer Farbe auf Boden, Wände und Decke der von der Kugel tangierten Räume gemalt. Beim Gang durch das einst herrschaftliche Gebäude wanderte der Blick beständig umher und nahm unweigerlich auch die Ausstattung der Zimmer und ihre handwerklichen Besonderheiten, aber auch den altersbedingten Verfall wahr. Die seit kurzem leerstehende Alte Armeeapotheke in Flüelen war gegen Ende des letzten Jahrhunderts ein feudales, am Urnersee gelegenes Hotel samt eigenem Landungssteg. Nach dem Bau der Gotthardlinie mitten durch den Hotelpark blieben die Gäste aus. Das Haus wurde bis 1993 vom Militär genutzt und danach als provisorisches Altersheim eingerichtet.
    Die Spuren dieser Veränderungen werden nun dank der Installation augenfällig. Das ist jedoch nur einer der Effekte, die im Innern ein über drei Etagen geführtes Rechteck auslöst, das als schwebender Rahmen konzipiert ist. Im Unterschied zu der gemalten, zum quadratischen Vinzenz-Müller-Haus kontrastierenden Kugel, bezieht sich das Rahmen-Rechteck in der Alten Armeeapotheke direkt auf die Architektur des langgezogenen Baus mit seinen hohen Schmalseiten. Schwarze Seile markieren wie gezeichnete, gerade Linien den Rahmenumriss. Diese Linien führen in jedem Stockwerk durch eine lange Flucht von offenen Zimmern. Entsprechend dem unteren, mittleren und oberen Teil des Rahmens ziehen sich die gestrafften Seile den Wänden, Böden oder Decken entlang durch Hunderte von Ringschrauben. Die Rahmenzeichnung im Innern wird aussen an einer Längs- und an einer Schmalseite des Hauses wiederaufgenommen. Gelb bemalte, an Gerüsten montierte Bretter geben, getrennt in Hoch- und Breitformat, jeweils zweidimensional die vollständige, im Innern räumlich angelegte Rahmensituation wieder. Das Mit- und Nebeneinander von zwei und drei Dimensionen erscheint als vertracktes Labyrinth. Zeichnung und Malerei, das heisst Seile und Bretter, werden gleichzeitig zu Umrissen und Bestandteilen einer Skulptur, zu der auch Gebäude und Umgebung gehören.

    (Text: Maria Vogel, Basel)