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sichtbar unsichtbar
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  • Installation
  • 3 Bäume, Schrumpfschlauch
  • 2010
  • Galerie Apropos, Luzern, 2010
  • Ins Innere der Kunst

    Die toten Gerippe dreier zimmerhoher Bäume stehen in dem quadratischen Ausstellungsraum der Galerie Apropos an der Luzerner Sentimattstraße. Über jedes Astende ist ein Stück schwarzen Kunststoffschlauchs gestülpt. Ein paar dieser schwarzen Röhrenlinien gehen ins Leere, die meisten führen vom einen zum nächsten Baum, überkreuz zum dritten. Über die sichtbaren Verbindungen fließen unsichtbare Energien: den Gegensatz von sichtbar und unsichtbar hat die 1957 in Altdorf geborene, heute in Bern lebende und wirkende Künstlerin Adriana Stadler als Titel für ihre Ausstellung gewählt.

    Leichte, nur wenig von der Geraden abweichende Bogenlinien, nach einer halben Armlänge abgeknickt, zeichnen die schwarzen Schlauchstücke in die Luft. Sie ahmen die Astlinien nach und konterkarieren sie zugleich, denn der Zug des natürlichen Wachstums gelingt ihnen nicht. Doch wie die drei Bäume ihre Äste gegeneinander recken, wie sie sich an den Enden überkreuzen, das führen die Verbindungen von Astende zu Astende fort. Ein Gewölbe aus Linien und Ästen hat sich da gebildet, unter dem sich der Galeriebesucher hindurchbücken muss, bis er im freien Zentrum der drei Bäume steht. Je nach Sichtwinkel schieben sich die Linien des Geflechts auseinander oder sie drängen aneinander und überlagern und überschneiden sich.

    Die Installation von Adriana Stadler steht unter dem Zeichen der arte povera: Mit kleinen Mitteln erzielt sie ihre große Wirkung. Sie zitiert die Natur durch die Natur selbst und imitiert sie gleichzeitig mit künstlichen Mitteln. Indem sie unsichtbare Ströme in den zugefügten Gefäßsystemen sichtbar macht, zeigt sie, was sich nicht von selbst anschaulich machen will. So überzeugend einfach die Arbeit sich präsentiert: Sie reicht in die bedeutungsvolle Mitte der Kunst und spricht deren Verhältnis zur Natur präzise an.

    Urs Bugmann