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Flechten, Zeitraum ab 2013; Gemälde 2013 Nr 1 (©2013, ProLitteris, Zürich)
  • Judith Rutishauser

  • Flechten, Zeitraum ab 2013; Gemälde 2013 Nr 1 (©2013, ProLitteris, Zürich), 2013
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  • 114.00 x 220.00 cm
  • Acryl auf Baumwolle
  • 2013
  • Werkgruppe ‚Flechten’ Zeitraum ab 2013
    Malerei (Acryl und Pigmente auf Baumwolle)
    Auseinandersetzung mit Energie und Zeichenhaftigkeit von Organismen

    Die Flechten (Landkartenflechten; Rhizocarpon geographicum) kenne ich seit meiner Kindheit – erstmals beschäftigte mich das Motiv 1987-88.
    Wie bei anderen Arbeiten (zum Beispiel dem Farbreferenzsystem) interessiert mich die scheinbar unendliche Variabilität und Vielfalt in den Wiederholungen (der Erscheinung, Form, Farbe). Umgesetzt in Malerei (die zu einer spezifischen Untersuchung wird) beobachte und zeige ich die indirekte Sichtbarkeit von Kräften und erahnbaren Zusammenhängen. Es scheint mir diese Organismen bringen solche Kräfte zum Ausdruck. Das physisch Fassbare schwebt in einem grösseren Ganzen, das dieses zu formen scheint. Auf diesem Weg stellt sich für mich auch die Frage nach unserer Wahrnehmung und unserem Zugang zum Universum.
    Das künstlerische Schaffen selbst ist (als tradierter Akt) mitreflektiert und auch der Umgang mit allen (auch den eigenen physischen, mentalen, seelischen) Ressourcen. Die Flechte wird auch als ‚Pionierpflanze’ bezeichnet, weil sie als eine organische Grundlage für komplexere Organismen gilt.
    Die Flechtengemälde sind wie die Gemälde anderer Werkgruppen auch Formen der Verschriftlichung meiner Reflexionen über das Leben sowie eine Verdichtung meiner Lebenszeit und meines Daseins.
    (Texte zu Werken, 19.03.2013 / 17.08.2014; veröffentlicht am 26.06.2018 OVRA Archives)

    Vergangenheit ist gegenwärtig und betrifft auch die Vorstellung von Zeit. Flechten als Lebensorganisationen überdauern seit Millionen von Jahren. Es wird angenommen, dass diese ‚symbiotischen Organismen’ als erste das Wasser verliessen und das Land, beziehungsweise die kargen Felsen bewuchsen. Dank Experimenten mit Flechten in der Weltraumforschung ist eine Beziehung zwischen der Vergangenheit des Lebens auf der Erde und dessen möglicher Zukunft gegenwärtig. Flechten sind vielgestaltige, anspruchslose, langlebige, dauerhafte, organische Lebensgemeinschaften, vielleicht eine Art „Kraftwirkende des Lebens“ und dank dem griechischen Namen auch mit Geschichten und Vorstellungen der Mythologie verbunden.
    (Texte zu Werken, 24.07.2018; veröffentlicht am 29.07.2018 OVRA Archives)