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Sedimentation I + II
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  • Plastik
  • 12.50 x 4.00 x 12.50 cm
  • Eingefärbter Gips
  • 2006/2012
  • Sedimentation I + II

    Die Halbkugeln fertigt Loretan aus Gips, indem er Schicht für Schicht flüssigen Gips in eine Form giesst. Den Gips färbt er zuvor teils mit Farbpigmenten ein. Dadurch entstehen die verschiedenen Farbsedimente, die nur aussehen als wären sie aufgemalt. Dieser Unterschied im Arbeitsprozess ist genauso aufwändig wie bedeutsam. Schritt für Schritt wird das Objekt in Schichten aufgebaut und erhält teils durch den Zufall, der den Eigenschaften des Materials innewohnt, eine Eigendynamik.

    Loretan kann mit den derart geschaffenen Halbkugeln vielfältige Assoziationen wachrufen: etwa die natürlichen Phänomene der Sedimentation – also der Ablagerung von Material –, die der Erde, der Landschaft, den Gebirgen ihr heutiges Aussehen gegeben hat; ebenso besteht ein Bezug zu künstlichen Schichtungen, wie wir sie in unserer Hightech-Gesellschaft in Verbundmaterialien finden; und selbst Geschichte funktioniert als kontinuierliche Ablagerung und stete Überlagerung. Die Halbkugeln sind zwar Objekte der Bildhauerei, sie sind ganz traditionell durch den Guss von Gips entstanden. Indem Loretan Farbpigmente in den Gips einrührt, gehen die Objekte aber auch eine Verbindung mit der Malerei ein. Sie erinnern an die farbig gefassten Barockskulpturen, wie sie in Walliser Kirchen anzutreffen sind, oder an die Fresken der Hochrenaissance.

    Die Objekte sind aber vor allem abstrakte Formungen, die durch Wiederholung (der Form) und gleichzeitiger Abweichung (der Farbigkeit) eine sehr malerisch-rhythmische Installation bilden.

    Dominik Imhof, Kunsthistoriker und –vermittler am Zentrum Paul Klee in Bern