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Tanz, Zeitraum ab 2014; Gemälde: 2014 Tanz Nr 7 (©2014, ProLitteris, Zürich)
  • Judith Rutishauser

  • Tanz, Zeitraum ab 2014; Gemälde: 2014 Tanz Nr 7 (©2014, ProLitteris, Zürich), 2014
Detail
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  • Malerei
  • 145.00 x 65.00 cm
  • Tusch und Acryl auf Baumwolle
  • 2014
  • Werkgruppe: ‚Tanz’, Zeitraum ab 2014
    Malerei (Tusch und Acryl auf Baumwolle)
    Auseinandersetzung mit Energie und Zeichenhaftigkeit

    2014 Tanz Nr 1 bis 8
    Aufgrund der Auseinandersetzung mit dem Motiv „Flechten“ und deren Spuren, welche ich als zeichenhaften Ausdruck von Energien und Organismen verstehe und für die Malerei als aussagekräftige sowie sich immer neu variierende Formen nutze, entwickelte sich folgender Gedanke: Den eigenen Organismus ähnlich zu verstehen und die Bewegungsmöglichkeiten des Körpers analog für die Malerei und eine direkte Spur hinterlassend einzusetzen.
    Der Bezug zu Tanz als Ausdrucksform ist klar und dessen Beziehung zu gesellschaftlicher Repräsentation ein zusätzlicher Aspekt bezüglich der Frage nach Form und deren Bedeutung. Der gesellschaftlichen Repräsentation von Tänzen und Tanzformen stehen ein persönlicher Ausdruck der körperlichen Bewegungsmöglichkeit und ein Tanz mit ungebundenen Bewegungen gegenüber.
    Die visuelle und dreidimensionale Wirkung des Tanzes als Kunstform ermöglicht eine Anschauung, die Fragen nach Macht, Strukturen, Verhältnisse zwischen Körpern, Wiederholungen von Formen sowie Unterdrückung von Formen und Körpern, sichtbar zu machen.
    Analog zur Meinungsfreiheit wirft der Tanz die Frage nach Bewegungsfreiheit auf.
    Der Mensch braucht Normen, um Lebensenergie und Gemeinschaft in sittliche Form zu bringen. Die Frage ist, wo Normen als Instrumente der Gewalt zu einer lebensfeindlichen und entwürdigenden Unterdrückung von Lebensformen, zu Entmenschlichung, oder Entwertung des Lebens selbst führen – wo also Gewalt Leben und Lebensformen unterdrückt, ausschaltet, entwertet, oder sogar gezielt auslöscht.
    Als Künstlerin (die sich unter anderem mit Malerei auseinandersetzt, weil es ein Genre ist, das eine direkte Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Materie erlaubt), wünsche ich mir ein ‚disperses Verhältnis’ der für das Zusammenleben notwendigen Normen. Anders formuliert, ein möglichst ‚verteiltes Verhältnis’ der Mächte und bindenden Kräfte in den Gemeinschaften. (Im Film Streik 1925 von Sergei Eisenstein, ist der Begriff negativ besetzt – zerstreut euch, Arbeiterschaft – damit ist jedoch die gewaltsame Unterdrückung der Freiheit zur Versammlung und Demonstration im öffentlichen Raum gemeint).
    Von komplexeren Strukturen erhoffe ich, gewaltfreiere Stabilität und grössere Offenheit dem Leben und seinen vielfältigen Formen gegenüber, auch in den Diskursen. Anders gesagt, eine offene Qualität einer Kultur und der diese hervorbringenden Gemeinschaft. Hier stellt sich für mich die Frage nach Kultur und Kulturschaffen. Denn die Gemeinschaften stehen vor der grossen Aufgabe gemeinsam in einer ‚globalisierten Welt‘ ein grösseres normatives Ganzes zu bilden. (Die Alternative dazu scheint es mir, wäre das Auseinanderbrechen einer globalisierten Welt in geografisch politisch kulturelle lokale Regionen).
    Ich habe – die vielleicht naive Hoffnung, dass meine Tanz-Gemälde zu solchen Gedanken und Überlegungen anregen, selbst dann, wenn vor allem anhand des Prozesses, Fragen nach Malerei, deren Material und Mittel in ästhetischer, das heisst der Wahrnehmung und Empfindung zugänglicher Weise, nachgedacht und reflektiert werden kann.
    2014 Tanz Nr 1 bis Nr 8 sind zu unterschiedlichen Musiken getanzte Bilder. Die Spuren haben speziell gefertigte Schuhe erzeugt. Unterschiedliche zufällige Musikstücke und Stile gaben je Gemälde den Impuls für kurze freie tänzerische Bewegungen, die auf diese Weise auf Baumwollstoff (am Boden fixiert) aufgezeichnet wurden. Sobald mir die entstandene Form zusagte, stoppte ich den Tanz. Um eine dreidimensionale illusionäre Wirkung zu verstärken, überzog ich die Bilder mit einer rosafarbenen Lasur (gemischt aus den Pigmenten rotes Eisenoxid und Titanweiss).
    Stichworte zu Tanz-Gemälden: Akustik, Rhythmik, Bewegung, motorisch, emotional, synchronisierend
    (Texte zu Werken, 05.02.2015 / 25.03.2016 und 15.05.2015; veröffentlicht am 26.06.2018 OVRA Archives)